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Der Fotograf im Antiquariat

Gelegentlich treibt es mich immer mal wieder in die öffentliche Bibliothek und zu den verschiedenen Antiquariaten. Außerdem stöbere ich immer mal wieder auf Flohmärkten und in den Second-Hand-Läden die Bücherkisten durch.

Was kann ein Foto-Enthusiast davon erwarten?

In erster Linie kann man natürlich darauf hoffen, das eine oder andere Foto-Fachbuch zu ergattern, das ein anderer Fotograf ausgelesen hat und nun nicht mehr aufheben möchte. Dies ist in erster Linie eine Chance für denjenigen, der sich in seinem technischen Können fortentwickeln möchte. Die Fotografie kennt vielerlei Grundlagen, die sich seit Jahren, teils seit Jahrzehnten nicht wesentlich verändert haben.

Später wird man sogar beginnen, das sogenannte "veraltete" Wissen für sich aufzubereiten. Denken wir nur an Stichworte wie Großformatfotografie, Lochkamera, Fotochemie oder Labortechniken. Immer wieder liest man in den aktuellen Veröffentlichungen von beeindruckenden Kunstergebnissen, die gerade dadurch zustande kommen, daß auf irgendeine der "alten" Techniken zurückgegriffen wurde. Wer also selbst experimentelle Ideen realisieren möchten, sollte hier die Augen aufhalten.

Außerdem wird sich ein Fotograf immer mal wieder Ideen für neue Projekte suchen, indem er sich Werke anderer Künstler ansieht. Ich meine dies in einem ganz allgemeinen Sinne, keineswegs als "Ideenklau". Das sind dann nämlich Werke nicht nur anderer Fotografen, sondern auch von Malern, Grafikern, Bildhauern usw. Welche Vielzahl an Bildbänden gibt es doch, die ein Fotofan für sich betrachten und auswerten kann! Sei es Fachliteratur über Kunst und Kunstwerke, bebilderte Reiseliteratur oder seien es illustrierte Bücher und Hefte zu bestimmten Themenkreisen.

Auf den Märkten wird man feststellen, daß hier immer mal wieder ein Schnäppchen möglich ist. Wichtiger aber scheint mir, absichtlich das Althergebrachte zu betrachten. Wie viele Unterschiede bemerkt man, schon wenn man z.B. einen Bildband über die eigene Heimat zur Hand nimmt, der gerade mal 20 oder 30 Jahre alt ist! Der moderne Zeitenwandel ist geradezu rasant.

Mich persönlich regt dies vor allem auch dazu an, noch mehr auch dokumentarisch zu fotografieren. Wir wissen nie ganz sicher, ob das, was wir gerade vor der Linse haben, in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren noch immer so sichtbar sein wird, wie es heute ist. Fast kann man annehmen, daß nicht, denn gewiß ist nur der Wandel als Zyklus von Werden, Altern und Vergehen. Insofern betreibt der Fotograf, gerade auch mancher Hobbyfotograf, nebenher unbeabsichtigt eine gegenwartsgeschichtliche Dokumentation. Womöglich werden künftige Generationen manche Bilder zu zeitgeschichtlichen Kunst-Ikonen ernennen, die wir heute vielleicht als belanglos einordnen?

Um aber auf die antiquarische Literatur zurück zu kommen: vielleicht folgt in Kürze an dieser Stelle die eine oder andere Buchbesprechung ...